Auf den Punkt genagelt
Samstag, den 15. März 2008Von Annette Gast-Prior
Simon ist ein ruhiger Typ, aber am Schlagzeug legt der 15-Jährige richtig los. Lehrer Thomas Zimmermann staunt über seine Entwicklung.Foto: Annette Gast-Prior
Bad friedrichshall – Schlagzeuglehrer Thomas Zimmermann aus Grombach kommt oft über seinen Schüler Simon Protzer aus Bad Friedrichshall ins Staunen, momentan auch ins Schwärmen. Wenn Simon am heutigen Samstag auf der Hauptbühne der Frankfurter Musikmesse zeigt, was er am Schlagzeug draufhat, steht einer seiner größten Fans im Publikum: Zimmermann. „Keine Lust“ von Rammstein hat Simon für seine Demo-CD eingespielt und, das weiß er noch genau, am 8. Februar geschickt. Mittlerweile liegt die Einladung zum Drumheads Playalong Contest auf dem Tisch. An sich ein Erfolg, denn in Frankfurt trifft sich die Fachwelt.
Bauchgefühl Zimmermann ist stolz: „Wenn sie diesmal nicht anrufen, dann haben sie’s nicht gehört“, hatte er prophezeit. Schon beim ersten Hören der Aufnahme, die im Pro- Drumm-Unterrichtsstudio in Grombach entstand, war der Lehrer begeistert: „Das war auf den Punkt genagelt, mit Groove, Swing und Bauchgefühl.“ Lächelnd, die Ruhe selbst, hört Simon zu. Kritisch: „Beim Spielen denkt man immer: gut.“ Wenn sich das beim Hören bestätige, umso besser, sagt der Friedrichshaller.
Musik-Keller Simon geht in die letzte Realschulklasse und wird im Herbst eine Groß- und Einzelhandelsausbildung beginnen. Sein Vater Manfred Protzer, selbst begeisterter Hobby-Drummer, erzählt, dass sich Simon schon mit zwei Jahren von den Instrumenten im häuslichen Musik-Keller angezogen fühlte. Das hat nicht mehr aufgehört, auch wenn nicht mehr morgens um halb sieben die Basstrommel die Familie weckt.
Mit fünf begann Simon seine Ausbildung bei bei seinem Lehrer Thomas Zimmermann, damals noch an der Musikschule Unterland. Später ist er mit ihm nach Grombach gewechselt. Ein Naturtalent? Sicher einer, der Rhythmus im Blut hat. Schon früh hat Zimmermann mit seinem Schüler Simon komplizierte Figuren geübt, „die eigentlich erst Ältere können“. Der Gemeinte zuckt mit den Schultern. Er will herausgefordert werden – und übt dann eben, bis er´s kann.
Simon ist ein Ruhiger, bestätigt sein Vater, beileibe kein junger Wilder. Seine Musikvorlieben sind für sein Alter eher untypisch, vor allem Rockklassiker fallen ihm zur Frage nach seinen Vorbildern ein: Der Deep-Purple-Drummer Ian Paice gehört dazu. Seinem Auftritt am heutigen Samstag sieht er gelassen entgegen, er hat sein Lampenfieber im Griff.
Als Simon die Kopfhörer aufsetzt und zur Mitspiel-CD loslegt, ist klar, dass er auch sein Stück beherrscht: Hoch konzentriert wechselt er Rhythmen und Dynamik, nach dem letzten Schlag erlaubt er sich ein Grinsen. Ganz lässig. Die Noten nimmt er am Samstag nur nach Frankfurt mit, falls ihn wider Erwarten etwas aus dem Konzept bringen sollte.
Applaus ermittelt Sieger Für diverse Musikprogamme aus dem Internet, für die sich viele Jugendliche begeistern, hat Simon nicht viel übrig. Lieber kommuniziert er an seinem Schlagzeug mit seinem Lehrer Zimmermann oder mit seinen Band-Kollegen von Bad Taste oder Toxxin. Oder eben mit dem Publikum, das in Frankfurt mit seinem Applaus den Sieger ermittelt.
Quelle: Stimme.de









